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Jahrestagung der SDW Niedersachsen 2016

Unter dem Titel „Flächenstilllegung im Wald – Holzweg oder Zukunftspfad?“ hatte die SDW Niedersachsen zur Jahrestagung am 29. April ins Stadtteilzentrum "KroKuS" in Hannover eingeladen, um über die aktuellen Flächenausweisungen zur natürlichen Entwicklung in unseren Wäldern zu diskutieren.

Nach der Begrüßung durch den Landesvorsitzenden Dieter Pasternack richtete zunächst Minister Christian Meyer das Wort an die Gäste. In seiner Rede machte dieser deutlich, dass Deutschland im Bestreben nach weltweitem Schutz von Wildnisgebieten auch im eigenen Land Verantwortung für eine natürliche Entwicklung ausgewiesener Gebiete trage. Der internationalen Forderung stehe damit die Frage gegenüber: „Wie viel Wildnis verträgt Deutschland?“. Sein an den Bundesforst und die Kommunalen Waldbesitzer gerichteter Appell zur Meldung weiterer Waldflächen setze aber stets Freiwilligkeit voraus und schließe somit zwangsweise Eingriffe in das Eigentum aus. Dieses gelte selbstverständlich auch für private Waldeigentümer. Das Timing der SDW Jahrestagung wiederum sei perfekt. „Ihre Tagung greift das Thema NWE zum richtigen Zeitpunkt auf. Der Prozess ist noch offen und ich werde die Erkenntnisse des heutigen Tages mit in die Entscheidungsfindung einbeziehen“, resümierte Minister Meyer schließlich und ging im Anschluss auf einen regen Austausch mit dem Plenum ein.

Mit seinem Fachvortrag bereitete Dr. Peter Meyer von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt dann den Einstieg in die Diskussion. Seinen anschaulichen Daten aus Niedersachsens Wäldern ordnete er allgemeingültige Erkenntnisse internationaler Naturwaldforschung zu. Bei der Frage nach einem effektiven Waldnaturschutz spielten demnach nicht nur Flächengröße und Fragmentierung eine Rolle, sondern insbesondere auch Aspekte der Vernetzung.

Dennoch wurde der Betrachtungshorizont der anschließenden Podiumsdiskussion schnell um die Forderung nach Wildnisgebieten erweitert. „Wo wird man Natur wieder Natur sein lassen?“, fragte Dr. Carsten Böhm (NABU) und sprach von der „Zivilisationstragödie“, in Deutschland keine Urwälder mehr zu haben. Mit der natürlichen Entwicklung der Wälder habe man nun die Chance, nachfolgenden Generationen etwas Gutes zu hinterlassen. Das Wildnisziel müsse daher von Anfang an in das NWE-Vorhaben integriert werden, zumal auf dem Rest der Landesfläche vorwiegend Kulturlandschaftsschutz betrieben werde.

Dass alle diese Ziele aber zu sozioökonomischen Nachteilen der betroffenen Regionen führen können, machte Dr. Marc Overbeck (Niedersächsische Landesforsten) deutlich: „Im Landeswald unterliegen rund 400.000 Hektar Einschränkungen durch den Naturschutz – bei rund 300.000 Hektar Fläche überhaupt. Überschneidungen von Schutzkategorien machen dies möglich.“ Für einzelne holzverarbeitende Betriebe werde die bislang gelebte Philosophie vom „Holz der kurzen Wege“ zunehmend unmöglich gemacht.

In der Forderung nach Wildnisgebieten läge laut Dr. Peter Meyer zudem das Risiko eines weiteren Flächenbedarfs, sollte deren Anspruch auf 1.000 Hektar unfragmentierter Fläche bestehen bleiben. Die bislang vorgesehenen NWE-Flächen könnten diesem Anspruch nicht genügen, wohl aber der Einsicht, dass es in Deutschland wieder wilde Gebiete (wild areas), aber eben keine Wildnis (wilderness areas) im engeren Sinne geben könne.

Immer wieder weitere Flächen hinzuzufügen entspräche auch nicht dem Ansatz des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), stellte Dr. Anke Höltermann (BfN) klar. Forschungsvorhaben und Strategien zur Umsetzung des aktuellen Vorhabens stünden dort derzeit im Vordergrund, auch wenn die Entscheidungen hierzu letztlich auf politischer Ebene getroffen würden.

„Wer bestellt, der bezahlt“, brachte es Burkhard von Koppen  für den Waldbesitzerverband Niedersachsen  auf den Punkt und erklärte, dass es aus jetziger Sicht keinen vernünftigen Grund gäbe, dass private und kommunale Waldbesitzer auf die Bewirtschaftung ihrer Waldflächen verzichten sollten. Nur wenige Betriebe hatten bislang Flächen in den Pool gemeldet.

Dass ein proaktiver Umgang mit den politisch geforderten Flächenausweisungen für eine natürliche Waldentwicklung aber auch Chancen für die Forstwirtschaft böte, stellte Henning Schmidtke (Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium) heraus. Man könne hier seine Kompetenz für alle Belange des Waldes unter Beweis stellen, die schon lange nicht an Fragen des Naturschutzes Halt mache.

Moderiert wurde die Gesprächsrunde durch Susanne Eilers, die auch das Publikum mit seinen Fragen in die Diskussion einband.

Als besonderer Festakt wurde anschließend zum zweiten Mal der „Walther Freist – Käte Straub Förderpreis für Walderleben“ durch die Stiftung Zukunft Wald verliehen. Stiftungsdirektor Franz Hüsing erinnerte in seiner Eingangsrede an den Ursprung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Wiederaufforstung von Kahlhieben aufgerufen hatte und an die daraus entstandene Idee der Jugendwaldeinsätze, die auch heute noch gelebt wird. Hüsing stellte hierbei auch die bedeutende Rolle von Karl-Ernst Ilse heraus, welcher als im Kriege erblindeter Forstassessor einst maßgeblich zur Entwicklung des Konzeptes beigetragen hatte. Der Förderpreis selbst wird seit 2014 alle zwei Jahre in Gedenken an Walther Freist und Käte Straub verliehen. Der damalige Förster Freist und die einstige Kulturfrau Straub hatten im Frühjahr 1948 mit der Betreuung und Beherbergung der ersten Jugendgruppe im Harz den Grundstein für Jugendwaldheime in ganz Deutschland gelegt.

In diesem Jahr nun wurde der Preis für die besonderen Verdienste in der Waldpädagogik an Veronica Winter-Thömmes verliehen. Die ursprünglich aus Baden-Württemberg stammende Forstwissenschaftlerin engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Waldforum Riddagshausen/Braunschweig. In seiner Laudatio erläuterte Rainer Städing, wie sich dieses Engagement, trotz des längst nicht mehr forstlichen beruflichen Alltags von Frau Winter-Thömmes, in einer ungebrochenen Begeisterung für den Wald immer wieder neu zeigt. Neben der Anerkennung durch den mit 2.000 Euro dotierten Preis überreichte Dr. Mechthild Freist-Dorr, Enkelin von Walther Freist, als weiteres Dankeschön eine hölzerne Schreibtisch-Verzierung mit Inschrift und Eichenpflanzerin (50-Pfennig-Münze).

Auch SDW-Geschäftsführer Dr. Philipp Schomaker gratulierte der Preisträgerin und bedankte sich bei seinen Gästen. Bevor es dann in die anschließende Mitgliederversammlung ging, luden SDW und Stiftung Zukunft Wald noch zu einem gemeinsamen Mittagessen ein.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bedankt sich bei der Stiftung Zukunft Wald für die großartige Unterstützung der Veranstaltung!

Fachvortrag von Dr. Peter Meyer (NW-FVA) als PDF zum Download