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Jahrestagung der SDW Niedersachsen 2017

Öffentliche Fachtagung "Jagd in Schutzgebieten"

am 31. März 2017 in Hannover

Mit der Ausweisung von Schutzgebieten wird auch auf die Ausübung der Jagd ein direkter Einfluss genommen. Was die rechtlichen Rahmenbedingungen vorsehen und wie die Umsetzung durch Verordnungen auf lokaler Ebene erfolgt, haben wir in unserer Fachtagung anhand von Praxisbeispielen beleuchtet. Mit unseren Referenten haben wir über verschiedene Konfliktfelder der Jagd in Schutzgebieten diskutiert und uns hierbei sehr über die aktive Beteiligung unserer Gäste aus dem Publikum gefreut.

Wir danken Staatssekretärin Almut Kottwitz für ihre Teilnahme und ihr Grußwort. Mit einer Einleitung in das Thema stellte Ina Abel zunächst den rechtlichen Rahmen vor und kommentierte einzelne Aspekte mit dem Blick aus der Praxis. Auch wenn einzelne jagdliche Vorhaben in Schutzgebieten der Anzeige und ggf. der Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde bedürften, plädierte sie für gegenseitiges Verständnis und Miteinander - einerseits für die Aspekte des Schutzzweckes, andererseits aber auch für die jagdlichen Anforderungen, wie das Aufstellen von Ansitzeinrichtungen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis präsentierte auch Helmut Damman-Tamke, MdL dem Publikum. Mit seinen Ausführungen zur Populationsentwicklung von heimischen und eingewanderten Raubwildarten machte er deutlich, dass menschliche Eingriffe, wie etwa die erfolgreiche Bekämpfung der Tollwut, immer auch weitere Konsequenzen im Naturhaushalt mit sich bringen. So habe sich beispielsweise die Fuchspopulation seit Ende der 80er Jahre bis heute verdoppelt. Eine wirkungsvolle Bejagung des Fuchses und anderer Prädatoren sei somit unerlässlich - insbesondere im Hinblick auf den Schutz von bodenbrütenden Vogelarten. Die Einschränkung der Jagdausübung durch Schutzgebietsverordnungen beinhalte aus diesem Grund immer die Gefahr, dem eigentlichen Schutzzweck zuwider zu laufen. Insgesamt stellte Damman-Tamke die Notwendigkeit heraus, auch die Raubwildjagd sachbezogen und frei jeder Ideologie durchzuführen - gleiches müsse allerdings auch für die Maßnahmen und Ziele des Naturschutzes gelten.

Als Fachbereichsleiter Umwelt im Landkreis Emsland hat Ludger Pott mit der Problematik der Nutriabejagung an Gewässern bei gleichzeitiger Anwesenheit von Biber und Fischotter zu tun. Mit der Ausweisung von Schutzgebieten entlang der Ems sind deshalb einzelne Jagdpraktiken im unmittelbaren Bereich des Wassers untersagt; so zum Beispiel der Schuss auf eine schwimmende Nutria, um Verwechslungen mit den geschützten Arten Biber und Fischotter auszuschließen. Im Randbereich von 25 Metern sind zudem besondere Anforderungen an die Technik und Beschaffenheit der einsetzbaren Lebendfallen zu stellen. Der Landkreis Emsland gibt hierfür einen konkreten Fallentyp vor, dessen Anschaffungskosten für den Jagdausübungsberechtigten jedoch aus Mitteln des Landkreises zu 100 % gegenfinanziert werden. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass - ungeachtete der kompensatorischen Maßnahmen zu den jagdlichen Einschränkungen - der Kommunikation und der ausreichenden Beteiligung der betroffenen Interessengruppen schon im Prozess der Schutzgebietsausweisung höchste Priorität einzuräumen sind.

Mit der Leitung des Nationalparks Harz obliegt Andreas Pusch das Management eines Schutzgebietes, dessen Kategorie und Größe sich von den vorab diskutierten Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten unterscheidet. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte sind im Wald anders gelagert. Pusch stellte heraus, dass Deutschland insbesondere für die Buche eine internationale Verantwortung trage. Die Entmischung der Baumarten durch das wiederkäuende Schalenwild mache ein Eingreifen des Menschen deshalb auch im Nationalpark notwendig. Der Luchs als natürlicher Beutegreifer "jage zwar mit", sein Einfluss allein reiche aber längst nicht aus, um den Bestand des Rot- und Rehwildes zu regulieren. Entgegen der sonst in den Prozessschutzflächen geltenden Maxime, Natur Natur sein zu lassen, sei das Wildtiermanagement, zu dessen Instrumenten auch die Jagd zähle, somit die Ausnahme der Regel. Da die hohen Wildbestände anthropogenen Ursprungs sind, sei das aktive Eingreifen letztlich eine folgerichtige Maßnahme, um eben diese natürlichen Prozesse im Wald nicht negativ beeinflussen zu lassen.

Die Vortragsunterlagen unserer Referenten dürfen wir Ihnen hier als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung stellen:

Vortrag MR'in Ina Abel (1 MB)

Vortrag Helmut Dammann-Tamke, MdL (3 MB)

Vortrag Ludger Pott (5 MB)

Vortrag Andreas Pusch (14 MB)

Wir freuen uns auf Ihren Besuch bei unserer nächsten Fachtagung am 19.06.2017 zum Thema "Sicherung der Natura 2000 Gebiete im Wald" und laden Sie hierzu herzlich ein!

Ihre SDW Niedersachsen

 

zum Veranstaltungsfaltblatt (PDF)

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Programm

Beginn

10:00 Uhr

Begrüßung            

Dieter Pasternack

SDW Landesvorsitzender

Grußwort

Almut Kottwitz

Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Impulsreferate               

MRin Ina Abel

Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Helmut Dammann-Tamke

Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Ludger Pott

Fachbereichsleiter Umwelt beim Landkreis Emsland

Andreas Pusch

Leiter des Nationalparks Harz

Diskussion

Moderation: Susanne Eilers

Abschluss Dr. Philipp Schomaker
SDW Landesgeschäftsführer

13:00 Uhr

Gemeinsames Mittagessen

14:00 Uhr

Mitgliederversammlung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Niedersachsen e.V. (intern)